Licht statt Strom: Auszeichnung für eine technische Revolution
Bild: Andreas Herrmann
Für Ina Brandes, Ministerin für Wissenschaft und Kultur des Landes Nordrhein-Westfalensind die Gebrüder Schall eine ausgezeichnete Wahl als Preisträger, denn „sie verbinden Mut und Erfindergeist und damit etwas, was dieses Land dringen braucht: Aus einer Erfindung ein Geschäftsmodell entwickeln.“ Aus einer Idee, so die Ministerin, hätten die beiden Preisträger ein Unternehmen mit internationaler Strahlkraft gemacht.
Die Idee: Chips, die Daten mit Licht statt mit Strom übertragen. Das ist die Technologie der Zukunft, davon sind Dr. Daniel Schall und sein Bruder Sebastian Schall überzeugt. Für ihre Innovation wie auch den Mut, mit dem sie diese auf den Markt bringen wurden sie nun im Krönungssaal des Aachener Rathauses mit dem Aachener Ingenieurpreis 2026 ausgezeichnet.
Während herkömmliche Computer-Technologie an ihre Leistungsgrenze stößt, setzen die Schalls auf Graphen als schnelleres und energieeffizienteres Material, welches elektrische direkt in optische Signale verwandeln kann. 2020 gründeten sie aus der AMO GmbH heraus das Unternehmen Black Semiconductor. Dass sie das in Aachen taten und eben nicht im Silicon Valley, hob Laudator Max Lemme, Geschäftsführer der AMO GmbH und Leiter des Instituts für Elektronische Bauelemente an der RWTH Aachen, hervor: „Es gehört Mut dazu, das Unternehmen hier und nicht im Tal der Milliardäre aufzubauen.“ Der Preis würdige nicht die Vergangenheit, sondern die Ambition, die Zukunft zu gestalten. „Ihre Lösung ist nichts anderes als eine Revolution“, sagte Lemme, „denn Halbleiter sind das Gehirn der KI, eine strategische Technologie und kein nice-to-have.“ Dass Aachen der ideale Ort für Innovation sei, dokumentierten auch Oberbürgermeister Dr. Michael Ziemons und RWTH-Rektor, Professor Ulrich Rüdiger, im gemeinsamen Beitrag zur Festveranstaltung. vdi-Präsident Professor Lutz Eckstein nutzte die Feierstunde im Krönungssaal des Aachener Rathauses am Samstagabend, um darauf aufmerksam zu machen, dass es mehr Geld brauche, damit mutige Unternehmer den nächsten Schritt gehen können.
Gemeinschaftliche Auszeichnung
Der von Marie Ludwig und Thorsten Karbach kurzweilig moderierte Aachener Ingenieurpreis ist eine gemeinschaftliche Auszeichnung der RWTH Aachen und der Stadt Aachen unterstützt vom Verein Deutscher Ingenieure vdi. Seit 2014 wird jährlich eine Persönlichkeit ausgezeichnet – oder eben in diesem Jahr erstmalig deren zwei mit ihrem jungen Unternehmen –, die mit ihrem Schaffen einen ganz maßgeblichen Beitrag zur positiven Wahrnehmung oder Weiterentwicklung des Ingenieurwesens geleistet hat oder haben. Für den ebenso festlichen wie unterhaltenden Rahmen des Abend sorgte das Duo Nordic Echo mit Mariia Smirnova an der Gitarre und Aleksandra Esakova an der Querflöte sowie Eric Siemes mit seiner Experimentiershow – natürlich zum Thema Halbleiter.
Und ganz jenseits aller Halbleiter, Chips und Innovationen verwies Max Lemme noch auf einen ganz entscheidenden Punkt, der die beiden Preisträger ausmache: „Sie sind geerdet, ihnen ist nicht der Radar dafür abhandengekommen, was uns Menschen ausmacht.“ Großer Applaus für die Preisträger.
Über den Ingenieurpreis
Der Aachener Ingenieurpreis ist eine gemeinschaftliche Auszeichnung der RWTH und der Stadt Aachen – mit freundlicher Unterstützung des Vereins Deutscher Ingenieure VDI als Preisstifter. Jährlich wird eine Persönlichkeit ausgezeichnet, die mit ihrem Schaffen einen maßgeblichen Beitrag zur positiven Wahrnehmung oder Weiterentwicklung des Ingenieurwesens beziehungsweise der Wissenschaften geleistet hat. Die Auszeichnung wird bereits zum elften Mal verliehen. Erster Preisträger war Professor Berthold Leibinger (gestorben 2018), Gesellschafter der TRUMPF GmbH + Co. KG. Es folgten Professor Franz Pischinger, Gründer der Aachener FEV Motorentechnik GmbH, der Astronaut Thomas Reiter, der langjährige Direktor am Werkzeugmaschinenlabor WZL der RWTH Aachen, Professor Manfred Weck (gestorben 2024), Professorin Emmanuelle Charpentier als Mikrobiologin und Miterfinderin der Gen-Schere CRISPR-Cas9 und mittlerweile Nobelpreisträgerin, der Unternehmer Hans Peter Stihl, der Technologie-Pionier Sebastian Thrun, die Wissenschaftsjournalistin Dr. Mai Thi Nguyen-Kim, die damalige BASF-CTO Dr. Melanie Maas-Brunner und im vergangenen Jahr Airbus-CTO Dr. Sabine Klauke.
